lia & manja

"Als Lia und ich uns vor zweieinhalb Jahren fanden, war sie im Alter von drei Jahren fast frei von Menschen aufgewachsen und ich war fast komplett ohne Erfahrung. Ich wollte dieses Pferd mit viel Liebe, Zeit und Geduld ausbilden und wusste immer, dass wir eines Tages ein Team sein würden.

Ein Jungpferd auszubilden, bedeutet nicht nur "viel Arbeit und viel Geld". Ein Jungpferd bedeutet vor allem, Pläne zu machen und diese zu ändern, es bedeutet, schonungslos mit den eigenen Schwächen konfrontiert zu werden und gezwungen zu werden, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Es bedeutet, durchzuhalten, wenn man alles hinschmeißen möchte, nicht die Geduld zu verlieren, wenn man ausrasten möchte,  und manchmal auch eine Menge Tränen. Aber es bedeutet auch, ganz viele kleine Wunder zu erleben, wenn man sich darauf einlässt. Es bedeutet, glücklich und zufrieden zu sein, wenn dieses tiefe Vertrauen einfach da ist und man spürt, dass man jetzt zusammen gewachsen ist. Und es bedeutet Stolz, wenn der Tag kommt, an dem man feststellt, dass man all das, was das Pferd jetzt ist, irgendwie selbst geschafft hat (natürlich immer mit professioneller Unterstützung). 

Im ersten Jahr machten wir fast nur Vertrauensarbeit, lernten uns besser kennen und ich brachte ihr - auch mit Hilfe meiner damaligen Trainerin - das Basiswissen bei: Hufe geben, Putzen, Führen,

Verladen. Ich stellte mich meinen Schwächen, und im Nachhinein stelle ich fest, dass ich mit ihr mindestens genauso gewachsen bin wie sie. Wir haben miteinander und voneinander gelernt. Wir mussten dreimal den Stall wechseln und wuchsen auch daran jedes Mal etwas weiter zusammen. Wir lernten erste Schritte an der Longe, machten Clickertraining und Zirkuslektionen, und diese sind bis heute unsere größte Leidenschaft. Ich saß immer öfter auf meinem Pferd. Dann hatte sie einen Unfall mit einem aufspringenden Wallach und wurde dabei verletzt, woraufhin ein weiterer Stallwechsel notwendig war. Lia erholte sich gut von ihren Verletzungen, aber sie lahmte noch lange. Im neuen Stall lernte ich Tatjana kennen und schaute beim Unterricht zu - und beschloss, mit ihr gemeinsam mit Lia zu arbeiten. Lia hatte zu der Zeit einen Taktfehler, da sie eine Körperseite zu wenig belastet hat und viel zu vorhandlastig lief. Seit ca. zwei Monaten arbeiten wir jetzt daran, und ihr Laufbild hat sich deutlich verbessert. Zusätzlich hat sich durch den Stallwechsel und die Arbeit mit Tatjana aber noch etwas verändert: Mir hat - ganz besonders im Alltag - oft noch das letzte Fünkchen Sicherheit und Konsequenz gefehlt, damit Lia mir wirklich vertraut und folgt. Das ist jetzt anders. Mein Pferd ist noch einmal anhänglicher und motivierter geworden, und ich lerne noch besser, sie zu verstehen." 

 

Manja Hagen