Dormi & biene

"Dormidor ist ein PRE und wurde in Spanien gezogen. Ich entdeckte ihn durch Zufall Ende Dezember 2016 bei einer Händlerin in Deutschland. Er war erst im April 2016 zu ihr gekommen, 9-jährig und wohl erst kurz vorher gelegt worden.Er wurde in Spanien nur an- und als Freizeitpferd geritten. In Deutschland bei der Händlerin hat man ihn noch ein wenig weiter ausgebildet.

Ich wollte gar keinen Andalusier und schon gar kein braunes Pferd. Am liebsten hätte ich wieder einen Fuchs gehabt, wie meinen Orlando, den ich leider kurz vorher gehen lassen musste. Als ich Dormidor sah und zu ihm in die Box ging, war es um mich geschehen und ich war sofort verliebt.

Er hat am Hals auf der rechten Seite eine sehr große Narbe, die das umliegende Muskelgewebe zerstört hat, mit Auswirkung auf die Brustmuskulatur; es sollen sich wildlebende Hunde in seinen Hals verbissen haben. Trotzdem nahm ich ihn kurz darauf mit zu mir. 

Gern hätte ich mit Tatjana dort weitergemacht, wo ich schon mit meinem Orlando gestanden hatte, doch es wurde schnell klar, dass wir mit Dormidor ganz weit vorn beginnen müssen. Obwohl er für hiesige Verhältnisse lange Hengst war, zeigte er kein starkes Dominanzverhalten, brauchte aber dennoch eine klare Führung.  

Als Erstes behandelte Tatjana Dormidor. Danach begannen wir so ziemlich von vorn, denn der Schritt 

war sehr kurz und der Trab eher rennend. Gebogene Linien, geschweige denn Volten und Zirkel waren auch nicht wirklich möglich. Also schauten wir, was Dormidor brauchte, um seine Balance zu finden und begannen  erst einmal vom Boden aus. Alle, die einen Andalusier haben oder kennen, wissen, dass diese Pferde wie ein Schwamm sind und unheimlich schnell lernen. So auch mein Dormi.

Relativ schnell konnte ich daher mit dem Reiten beginnen, und wir arbeiteten daran, das vom Boden Erlernte unter dem Reiter, sprich unter mir umzusetzen. Ich musste also dafür sorgen, durchlässig und locker im Sattel zu sitzen und ihm trotzdem den nötigen Halt zu geben. Eine wirklich schwere Aufgabe, die mich täglich beim Reiten aufs Neue fordert: Zuerst einmal selbst entspannt und in Balance zu bleiben, damit mein Pferd sich unter mir frei bewegen kann. Je größer sein Vertrauen zu mir wird, umso gelassener wird er auch im Umgang, gerade beim Reiten. Momentan reitet Tatjana ihn immer mal mit und dies tut ihm merklich gut. Dormi ist sicherlich kein Pferd für mehrere Menschen und man muss sich auf jeden Fall überlegen, von wem man ihn reiten lässt, da er wirklich sehr fein ist und schnell Sorge hat, man könne ihn überfordern.

Ich bin froh, Dormi begegnet zu sein und freue mich auf einen weiteren Weg mit ihm. Tatjana wird uns hoffentlich noch ein ganzes Stück begleiten, sowohl als Osteopathin wie auch als Trainerin."

 

Sabine Schlöttig