Was macht unsere Angst mit den Pferden?!

Immer wieder erzählen mir Reiter mit Erstaunen das ihr junges Pferd viel mutiger ist als die älteren Pferde. Es geht einfach über Brücken, schaut sich neugierig Dinge an und ist eher unerschrocken. Weder große Trecker noch Fahrradfahrer scheinen ein Problem zu sein.

Es ist nicht erstaunlich im Gegenteil. Junge Pferde sind wie Kinder. Sie entdecken jeden Tag etwas Neues. Wenn wir mit unseren Jungstars unterwegs sind und ihnen durch unsere innere Haltung zeigen, schau ein Trecker der macht nichts, lernen sie erstmal ok der ist groß, laut und beweglich, scheint jedoch nicht gefährlich.

Doch warum verwandelt sich manchmal im Laufe eines Pferdelebens die Neugier in Angst? Liegt es am Pferd? Vielleicht auch ein Stück weit. Sicherlich gibt es genauso wie bei uns Menschen mutigere aber auch besorgtere Pferde. Die Erfahrung hat mir gezeigt, es liegt häufig am Reiter. Sobald wir oben auf dem Rücken des Pferdes platz nehmen, werden alle Dinge die vorher mit Neugier betrachtet wurden oder als gegeben kennengelernt wurden plötzlich zu gefährlichen Monstern. Der Radfahrer mit der mörderischen Klingel, der Fußgänger mit dem gefährlichen Hund, der Trecker wird zu riesigen Monster. Diese Gefühle kennt mit Sicherheit jeder. Aber warum war es vorher kein Problem?

Ganz einfach, weil wir neben unseren Pferden gestanden haben, sichtbar und präsent und nicht oben auf dem Rücken im toten Winkel des Pferdeauges. Kaum sitzen wir auf dem Pferd wird das Pferd unsicher und wir im schlechtesten Fall gleich mit.  Wir schüren durch unseren ängstlichen Gedanken nun auch Ängste bei unseren Pferden. Denn jeder Gedanke steuert unsere Gefühle. Jeder Gedanke löst chemische Prozesse im Körper aus. Bei Angst Adrenalin und Cortisol. Aus diese Haltung heraus signalisieren wir Gefahr und reagieren anders als vorher auf unser Umfeld. Die Pferde reagieren wiederum auf unsere Signale.

Ich erlebe es immer wieder, das Reiter mir sagen wenn du mein Pferd reitest musst du aufpassen, es ist total schreckhaft und springt ständig zur Seite. Wenn ich dann mit den Pferden arbeite passiert nichts dergleichen.

Woran liegt es?

Ganz einfach ich weiß doch, eine Mülltonne beißt nicht, ein Trecker fährt uns nicht um, die Klingel vom Radfahrer ist nicht der Tod auf Rädern. Ich gebe dem Pferd durch meine Haltung Sicherheit. Auch Zuversicht und Sicherheit sind an chemische Prozesse im Körper gekoppelt. Merke ich ein Pferd verspannt sich unter mir und muss ständig die Umgebung checken, gebe ich ihm Sicherheit indem ich Präsident bin. Einfach da sein, Kontakt aufnehmen und so in Beziehung in kommen.  Es dauert in der Regel nicht lange und alle Gefahren sind für diese Reiteinheit passé. Sitzt erneut der ängstliche Reiter auf seinem Pferd und kann diesen Kontakt nicht herstellen, weil er noch zu sehr in seiner Sorge gefangen ist, wird das Pferd in die alten Muster zurückfallen. Es spürt den Stress des Reiters. Arbeitet der Reiter an seinen Ängsten, denn unterdrücken oder schönreden funktioniert nicht, kommt er immer besser in Beziehung mit seinem Pferd und so entsteht auch wieder Vertrauen von Seiten des Pferdes in den Reiter. Denn er sendet die richtigen Signale aus. Denkt daran Veränderung fängt immer bei uns an, nicht bei den anderen.

Beziehung = Vertrauen!!!