Das traumatisierte Pferd

Trauma Pferd:

1.      Was ist ein Trauma und wie entsteht es?

2.      Was passiert bei einem Trauma?

3.      Was macht das Trauma mit dem Körper und dem Geist?

 

 

1.

Trauma (griech.: Wunde) entsteht immer dann, wenn Ereignisse die individuelle Belastungsgrenze überschreiten. Traumen finden auf körperlicher und auch psychischer Ebene statt und können sich als Schockenergie im Körper manifestieren. Diese Schockenergie wirkt dann einschränkend auf die Lebensenergie im gesamten System. Ein Trauma ist also auch an das Nervensystem gebunden.

 Im Leben eines Pferdes gibt es viele Ursachen für Traumata, besonders in den ersten Lebensmonaten und Jahren.

Traumatische Ereignisse können beispielsweise ausgelöst werden durch:

 

·       Eine schwierige Geburt

·       Ein zu frühes oder schnelles Absetzen des Fohlens

·       Wechsel auf eine Fohlenweide ohne erwachsene Pferde

·       Zu früh angelegte Halfter bei Fohlen (Druck im Genick)

·       Fohlen gehen häufig auf Auktionen mit ihren Mutterstuten (Stress für beide)

·       Zu frühes anreiten, plötzlicher Wechsel in neuen Stall mit fremden Personen

·       Die Kastration des Hengstes 

·       Ein Verlust oder ein Unfall

 

Traumatische Erlebnisse wie diese und viele mehr können das Pferd in Dysbalance bringen. Jedes aktuelle Symptom kann seinen Ursprung in einem Trauma und damit einer weit zurückliegenden Vergangenheit haben.

 

2.

Körper und Geist sind plötzlich in ständiger Alarmbereitschaft und es scheint überall Gefahr zu lauern auch da wo keine ist. Wird dies nicht vom Menschen verstanden oder gar ignoriert, manifestiert sich ein Trauma und kann am Ende zusätzlich Krankheiten auslösen.

Bei Gefahr hat ein Pferd drei Möglichkeiten zu reagieren, Flucht, Kampf oder Starre. Sind Flucht und Kampf verwehrt, bleibt nur noch die Starre. Das Pferd ist aus Angst gelähmt und bricht letztlich in seiner Hilflosigkeit in sich zusammen. Diese Starre wiederum verhilft dem Pferd zu überleben, es werden Endorphine ausgeschüttet, die dafür sorgen Schmerzen zu lindern. Zusammenfassend haben wir verschiedene Anzeichen für ein Trauma. Scheinbar grundlose Ängste verbunden mit Flucht. Aggressives Verhalten gegenüber Menschen oder anderen Lebewesen. Absolute Passivität. Es können auch alle Symptome auftreten gepaart mit Verhaltensauffälligkeiten, unklaren Lahmheiten, Stoffwechselkrankheiten, Magen-Darmproblemen usw.

 

3.

Die Pferde wirken teilnahmslos und phlegmatisch. Diese Pferde haben sich von ihren Gefühlen abgetrennt um zu funktionieren. In der Reiterei nennt man es erlernte Hilflosigkeit.  Sie leben nicht mehr im Hier und Jetzt. Durch diese Abspaltung vom Körper kommt das Pferd in eine Immobilität und der negativ Kreislauf beginnt. Auch ein Pferd welches ständig im Außen lebt und bereit zur Flucht ist, ist am Ende gefangen und starr.

 

Wie bekomme ich ein solches Pferd wieder zurück in die Mobilität ins Selbstvertrauen in ihr eigenes Potential?

 Es braucht vor allem Zeit, Verständnis und Wissen um Traumatisierung. Trauma kann sich nur aus dem Körper lösen, indem alte Muster unterbrochen werden. Dies muss jedoch sanft passieren. Eine Flucht oder ein aggressives Verhalten sollte also erstmal erlaubt sein und nicht unterbunden werden, damit das Pferd nicht jedes Mal wieder in die Immobilität zurückgedrängt wird. Maßregelungen führen eher zur Retraumatisierung. Als Beispiel hilft vielleicht die Phobie vor Spinnen, obwohl sie so viel kleiner als wir sind und es rational unsinnig ist Angst vor ihnen zu haben, versetzen sie uns in Angst oder Ekel. Da hilft es auch nicht zu sagen die tun nichts. Die Angst wird nicht gehen. Genauso verhält es sich mit einem traumatisierten Pferd, das sich irrational in bestimmten Situationen verhält. Das Gehirn sendet Flucht, Kampf oder Starre auch wenn kein Anlass besteht. Es liegt also an uns in diesen Situationen besonders achtsam mit den Pferden umzugehen. Wir müssen ihre Angst ernst nehmen und es ihnen erlauben sich zu bewegen. Unterstützen wir ihre Erregung in diesen Momenten, indem wir sie zulassen und wahrnehmen kann der Prozess der Heilung beginnen. Dabei dürfen wir natürlich selbst nicht an uns zweifeln oder Sorgen vor dem Verhalten des Pferdes haben. Wir als Menschen müssen genau wissen, was das Pferd braucht. Mit einem herkömmlichen Training wird man eventuell das Pferd ganz brechen, jedoch nicht die Ursache auflösen.