Zurück in den Körper

Vor einiger Zeit habe ich einen Wallach behandelt, der mit einem Jahr ein schweres Trauma in Form eines Unfalles erlebt hat. Bei diesem Unfall wurden augenscheinlich Nervenbahnen so stark geschädigt, dass bis heute sein Gangbild beeinträchtigt ist.

Bei seiner Ausbildung kam es später leider zusätzlich zu diversen Missverständnissen, in deren Folge die Vorbesitzerin sich dem Wallach nicht gewachsen fühlte und sie Angst vor ihm bekam.  Letztlich waren Pferd und Mensch mit der Ausbildung überfordert.

Der Wallach wurde an die heutige Besitzerin verkauft. Durch die diversen Missverständnisse hatte der Wallach gelernt sich über Kraft, gepaart mit losreißen und weglaufen zu „entziehen,“ indem er so aus der Situation flüchtete. Ebenfalls wurde mir erzählt, ausreiten sei unmöglich auch nicht mit anderen Pferden, dies würde ihn in Panik versetzen, bis hin zum Steigen und umkehren wollen. Des Weiteren sei er in der Arbeit viel im Außen und dadurch oft abgelenkt und schreckhaft. Seit einiger Zeit hat er die Rolle des Herdenchefs übernehmen müssen, diese Rolle überfordere ihn ebenfalls. Die Besitzerin sagte mir er sei wie ein großer Junge und nie wirklich erwachsen geworden. Er sei auf der einen Seite sehr auf seine Menschen bezogen und zutraulich und auf der anderen Seite gehe er aber nicht wirklich in Kontakt. 

Ich traf tatsächlich auf einen überdimensional großen Jungen. Äußerlich ausgewachsen innerlich immer noch der kleine Jährling. Auf der einen Seite zugewandt auf der anderen Seite völlig in sich gekehrt. Er hatte gelernt wie stark er ist und setzt dieses auch gerne ein sobald er überfordert ist oder aus einer Situation raus möchte.

 

Ich behandelte ihn. Löste zum einen das Kastrationstrauma® und zum anderen die Schockenergie, die sich in seinem Körper durch den Unfall manifestiert hatte. Schockenergie wirkt einschränkend auf die Lebensenergie im gesamten System, sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene. Schon während der Behandlung wurden deutliche Veränderungen sichtbar. Man konnte zusehen, wie die festgehaltenen Strukturen losließen und er stückweise wacher und aufmerksamer wurde. Er begann in seinen Körper zu horchen.

Vor der Behandlung hatte die Besitzerin mich gebeten ihren Wallach in den nächsten Wochen etwas zu arbeiten. Seither habe ich einige Male vom Boden mit ihm gearbeitet und festgestellt, eine solide Grundausbildung hat er bis dato noch nicht gehabt und daher vieles einfach auch nicht verstanden. Zusätzlich kann er ganz schwer in Kontakt mit dem Menschen kommen. Solange ich nicht das Gefühl habe, dass er mit mir in Beziehung geht werde ich ihn nicht reiten. Ich reite ein Pferd grundsätzlich erst, wenn es mir vertraut, mir aus diesem Grund auch zuhören kann und folglich dann versteht was ich von ihm möchte. Sein Bewegungsbild wird immer besser und darüber freue ich mich sehr. Durch das Lösen der Schockenergie und dem Kastrationstrauma kann der Wallach sich wieder freier bewegen. Die Taktunreinheit durch das gehandicapte Hinterbein ist nur noch unmerklich in bestimmten Situationen zu sehen.

 

Die Besitzerin lernt in den Einheiten mit ihrem Pferd viel über Beziehung und dass es nicht immer nur um Technik geht die es zum Reiten braucht, sondern in erster Linie um Empathie und Verständnis für das Pferd, damit es uns vertrauen kann. Nur wer sich sicher fühlt und vertraut, kann loslassen und lernen.