Vertrauen

Vertrauen

Eine liebe Freundin von mir hat sich vor einigen Wochen eine Stute angeschaut und sich spontan in sie verliebt. Sie wollte meinen Rat als Fachfrau für Pferde hören und so fuhr ich gemeinsam mit ihr zu dieser Stute. Vor Ort wusste ich sofort, warum sie sich in diese Stute verliebt hatte. Diese Stute strahlte eine unglaubliche Ruhe aus und war auch mir sofort zugewandt. Die Stute hatte die letzten sechs Jahre keine wirkliche Bezugsperson, stand in einer kleinen Gruppe mit anderen Pferden und wurde ab und zu wohl mal geputzt und das war es wohl auch schon.

So etwas kann sich auf ein Pferd unterschiedlich auswirken. Ein anderes Pferd wäre mit dieser Situation eventuell nicht so glücklich gewesen, doch für diese Stute scheint es überhaupt kein Problem zu sein, einfach nur zu sein.

Aus meiner Sicht für den ersten Moment stand also einem Kauf nichts im Wege. Auch die Ankaufsuntersuchung war ohne besondere Beanstandungen und so kaufte meine Freundin diese Stute. Sie ließ die Stute Grundimmunisieren, denn auch dies wurde bis dato nicht gemacht und suchte einen Stall in ihrer Nähe. In dieser Zeit besuchte meine Freundin ihre neue Stute regelmäßig. Sie gingen spazieren, grasen oder es wurde ausgiebig geputzt und gekuschelt.

Dann kam der Tag des Umzugs und meine Freundin bat mich, die Stute zu fahren. Natürlich willigte ich ein. Am Morgen bevor es losgehen sollte überkamen mich kurze Zweifel. Ob es wohl richtig sei ein wildfremdes Pferd, das jahrelang keine Bezugsperson hatte, von dem wir beide nicht wussten, ob es Anhänger fahren kennt zu fahren. Was wäre, wenn sie zwar auf den Anhänger geht aber auf der Fahrt durchdreht! Ich verwarf diesen Gedanken genauso schnell, wie er gekommen war. Ich hatte die Augen dieser Stute gesehen, voller Vertrauen, offenherzig. Ich hatte das Gefühl tief in ihre ruhige Seele blicken zu können. Abgesehen davon hatte meine Freundin mir natürlich immer wieder berichtet wie unfassbar freundlich und aufgeschlossen die Stute sei und sie überall mit ihr vertrauensvoll mitgehen würde.

Ich vertraue meiner Intuition, meiner Freundin und dieser Stute! Was soll also schiefgehen!
Angekommen an dem alten zuhause der Stute lassen wir sie erstmal, nachdem meine Freundin sie geputzt und fressen lassen hat, neben dem Anhänger grasen. Keinerlei Anzeichen von Stress.

Während die Stute noch grast tummle ich mich ein wenig auf der Rampe - rauf und runter, ein wenig schwingen. Die Stute beobachtet mich, frisst aber weiter. Dann entscheidet meine Freundin, es kann losgehen und geht auf die Rampe und in den Anhänger. Die Stute folgt ohne Zögern bis zur Rampe. Im Vorfeld hatte ich meiner Freundin gesagt, wenn sie die Entscheidung für sich getroffen hat zu verladen, müsse sie auch bei diesem Entschluss bleiben. Die Stute bleibt an der Rampe stehen und begutachtet diese. Mit Neugier, keinerlei Unruhe oder Sorge zu erkennen, ihre Augen ganz ruhig und neugierig. Zwei Möhrchenstücke später sind auch schon beide Vorderhufe drauf. Nun kann auch der Innenraum ausgiebig beschnuppert werden. Ich kraule ihr derweil den Hintern.  Es vergehen vielleicht 5 Minuten und meine Freundin nimmt den Trog mit Futter und plötzlich geht ein entschlossener Ruck durch das Pferd und sie steht im Anhänger. Ich schließe die Klappe. Jetzt kommt erstmals Unruhe auf. Sie dreht sich um und schaut nach Hinten. Die anderen Pferde wiehern sie wird noch etwas unruhiger und wiehert zurück. Wir entscheiden abzufahren, damit es nicht noch unruhiger wird. Ich bitte meine Freundin, die Hofeinfahrt hinterher zu gehen, um zu schauen, wie die Stute sich verhält. Der Weg ist recht uneben und ich merke, wie sie sich ausbalancieren muss.

An der Straße steigt meine Freundin dazu. Die Stute ist unruhig der Pferde wiehern, sie fängt an zu scharren. Ich fahre los, erstmal ganz langsam, um zu gucken, wie ihre Balance auf der Straße ist. Das Anfahren und Abbiegen hat sie gut hinbekommen. Ich schaue mit welcher Geschwindigkeit sie zurechtkommt. 60 km/h scheint erstmal genug. Sie scharrt immer wieder aber wiehert nicht mehr. Nach ca. 10 Minuten lässt die Unruhe im Anhänger nach. Ich kann nun sogar 80 km/h fahren und sie steht ruhig. Kurz vor unserem Ziel scherzen wir schon, sie sei wohl unterwegs ausgestiegen, weil wir sie gar nicht mehr spüren.

Angekommen am neuen zuhause, kann ich die Klappe öffnen und sie bleibt oben stehen. Natürlich ist sie aufgeregt aber ansprechbar und vertrauensvoll. Ganz langsam lassen wir sie rückwärtsgehen. Unten angekommen ist zum Glück lecker Gras und sie kann erstmal fressen.

Die Unruhe vergeht im Nu! Was für ein tolles Mädchen. Wir bringen sie nun in die neue Herde. Auch hier verläuft alles total unspektakulär. Die Stute ist völlig bei sich, die anderen Pferde spüren ihre Souveränität und somit gibt es keine turbolenzen. Auch am nächsten Tag ist alles friedlich innerhalb der Herde.

Vertrauen bedeutet zuerst sich selbst zu vertrauen, seiner Intuition dem Bauchgefühl zu folgen. Vertrauen schafft Verbindung. Vertraue ich mir, kann ich meinem Gegenüber vertrauen und umgekehrt. Haben wir das erstmal verstanden und leben danach, wird es wesentlich einfacher Entscheidungen zu treffen und diese mit Zuversicht auszuführen.