Innere Aktivierung

Reagiert ein Pferd nicht in der gewünschten Weise auf eine ihm gegebene Hilfe, reagieren die Menschen häufig mit einer Verstärkung dieser Hilfe. Sie meinen dann, das Pferd würde die Hilfe nicht deutlich genug spüren oder sogar absichtlich ignorieren. Dabei gibt es einen Grund, der viel naheliegender ist: Hat das Pferd die ihm gestellte Aufgabe überhaupt schon verstanden?

 

Pferde sind nicht einfach so widersetzlich, sie zeigen Missverständnisse an. Und es ist an uns, diese Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und in Verständnis zu verwandeln – ganz einfach, indem wir dem Pferd die gewünschte Aufgabe so stellen, dass es die Aufgabe verstehen kann. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist es, schon die kleinste Idee der gewünschten Lösung zu bemerken und zu loben.

 

Es ist an uns, die Aufgaben so zu wählen, dass unser Pferd weder körperlich noch mental überfordert ist. Und es ist an uns, die gewünschten Aufgaben dann auch richtig zu vermitteln. Dafür müssen wir achtsam sein und zunächst uns selbst geistig vorbereiten, also die Idee der bevorstehenden Aufgabe schon einmal selbst vor Augen haben. Denn erst dann, wenn die Aufgabe vor unserem geistigen Auge perfekt ausgeführt wird, nimmt auch unser Körper eine entsprechende Haltung ein – und wir können das Pferd einladen, unserem Gedanken zu folgen. Ohne diese Vorleistung bleiben wir für Pferde „unlesbar“; und in ihrer Not, etwas zu sollen, was sie nicht verstehen, müssen sie ihre eigenen Ideen entwickeln, die in aller Regel nicht dem entsprechen, was wir wollten.

 

Es reicht folglich nicht, eine Hilfe zu geben und dann auf eine Reaktion zu warten. Ich muss mein Inneres aktivieren, muss mir die gestellte Aufgabe selbst vor Augen führen und wissen, wie ich mir die Reaktion des Pferdes darauf vorstelle. Diese innere Aktivierung schafft die Verbindung zum Pferd und wird in Kombination mit der äußerlichen Hilfe zu einem Ganzen.

 

Nehmen wir als Beispiel das Laufen auf einem Zirkel:

 

Ohne mich im Vorfeld innerlich auf diese Übung und alle damit verbundenen Tücken für das Pferd einzustellen, bekomme ich auf meine äußere Hilfe eine ungenaue Reaktion: Das Pferd fällt auf die innere oder äußere Schulter, der Zirkel wird eher ein Ei als ein Kreis, das Pferd wird schneller oder fällt in den Schritt zurück, es kürzt den Zirkel ab usw. Aktiviere ich zusätzlich mein Inneres, mache mir also klar, wo die Herausforderungen einer Kreislinie für das Pferd liegen und wie ein schön gelaufener Kreis aussieht. So bin ich viel besser in der Lage meinem Pferd zu vermitteln, wie es diesen Zirkel in guter Haltung nehmen kann.

 

Wann immer Pferde sogenannte Widersetzlichkeiten oder nicht erwünschte Reaktionen auf eine Hilfe zeigen, können wir ziemlich sicher sein, dass das Pferd noch nicht in der Lage ist, der Aufgabe zu folgen. Durch innere Aktivierung verbunden mit der richtigen äußeren Hilfe nehmen wir das Pferd fast automatisch mit.