Fühlen & Spüren

Osteopathie ist für mich als Therapeutin immer eine Reise durch den Körper des Pferdes. Als ein reines Handwerk verstehe ich meine Arbeit nicht.

 

Ich spüre mit den Händen in das Pferd hinein und kann so erfühlen, wo sich Blockierungen finden und wie das Pferd reagiert. Denn in aller Regel gibt mir das Pferd während der Behandlung vor, wohin die Reise geht. Dies geschieht, indem es sich bewegt. Unruhe, Schmerz, Sorge - Emotionen des Pferdes äußern sich eigentlich immer durch Bewegung. Nur über seine Körpersprache hat das Pferd die Möglichkeit, sich auszudrücken. Ist es zum Beispiel besonders kopfscheu oder schnappt, nehme ich das aufmerksam zur Kenntnis. Das Pferd darf sich äußern, und ich versuche mich in seine Sorgen hineinzuversetzen, wenn ich es berühre.

 

Oft ist es so, dass Pferde sich zu Beginn der Behandlung recht skeptisch und angespannt verhalten; merken sie jedoch, dass sie ihre Reaktionen zeigen dürfen, wenn ich sie an Punkten berühre, die Schmerz oder andere Sorgen verursachen, folgt die Entspannung recht schnell. So arbeite ich mich durch den Körper des Pferdes und höre auf seine Meinung. Will es seinem Zustand Ausdruck verleihen, darf es das jederzeit tun. Es ist stets eine gemeinsame Arbeit, und wir können auf diese Weise alte Traumen oder auch aktuelle Läsionen aufspüren und beheben. Körperliche Blockierungen und seelischer Stress gehen in der Regel Hand in Hand. Sind Körper und Geist wieder positiv zusammengeführt, kann der Körper sich weiterhin selber helfen und wird in den folgenden Wochen weitere Umbauprozesse vornehmen.

 

Nach der Behandlung bespreche ich, wie das Pferd im täglichen Training unterstützt werden kann, um sich ganz von seinen alten Mustern, Läsionen oder Traumen zu lösen. Manchmal ist nach zwei bis drei Monaten eine Nachbehandlung nötig, um dem Pferd noch ein bisschen mehr in sein seelisches und körperliches Gleichgewicht zu helfen.