Es braucht in jedem Bereich Vertrauen!

Wenn ich ein Pferd behandle, ist es mir besonders wichtig, dass das Pferd mir vertraut. In der Regel hat es Schmerzen und ich soll herausfinden, woher diese kommen und wie ich sie wieder beseitigen kann.

 

Damit ein Pferd mir seinen Körper anvertraut, muss ich mich erst einmal als vertrauenswürdig erweisen, indem ich mich "vorstelle" und dem Pferd die Möglichkeit gebe, mich einzuschätzen. Es darf an mir schnuppern, denn der Geruchssinn ist für Pferde immens wichtig. Damit sammeln und verarbeiten sie für sich viele wichtige Informationen. Auch solche, wer Freund oder Feind ist. Während ich mit dem Besitzer die Anamnese durchgehe, hat das jeweilige Pferd Zeit, mich zu inspizieren. Bei manchen Pferden beginne ich mit der Untersuchung nicht direkt am Kopf, wenn sie mir signalisieren, es sei noch nicht okay für sie. Besonders der Check von Kiefer, Zähnen und Genick sollte für das Pferd in Ordnung sein.

 

Auch bei der Behandlung geht für mich Vertrauen vor Technik. Was nutzt mir eine gute Technik allein, wenn mir die Empathie fehlt und das Pferd sich unwohl fühlt unter meinen Händen? Zum einen verfälscht es im schlechtesten Fall die Diagnose und zum anderen wird es mir nicht gelingen, ein solches Pferd zu lockern und nachhaltig zu entspannen. Fühlt ein Pferd sich unwohl während einer Behandlung oder Untersuchung, ist es meine Aufgabe, besonders achtsam zu fühlen und zu fragen, wo ich beginnen darf und wo es weitergehen kann. Spürt das Pferd, dass es gefragt und einbezogen wird, entspannt es in der Regel schnell und ich darf an Regionen, die vorher noch undenkbar für das Pferd waren.

 

Es ist natürlich sehr wichtig, dass die Technik richtig ausgeführt wird und jeder Griff sitzt. Denn nur korrekt ausgeführte Arbeit ermöglicht gute Diagnosen und Behandlungen und kann dem Pferd somit wieder zur Genesung verhelfen. Dennoch, wenn ich als Therapeut dem Pferd durch mein Verhalten beweise, dass ich weiß, was ich tue, dann kann sich das Pferd auch bei mir fallen lassen.

 

Ich wünsche mir generell von einigen Pferdemenschen, egal ob Therapeuten, Reiter, Hufschmiede, Tierärzte, dass sie neben ihrer guten Technik den Pferden auch empathisch begegnen.